Natur- & Umweltschutz

   

Situationsbericht 2009

Angelsportverein Neustadt: nicht nur „Fisch-und Fang“ sondern auch Artenschutz „oberhalb“ der Wasserlinie

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Fischereivereine stehen ausschließlich engstirnig dafür ein, große Fänge für den Kochtopf zu erzielen, zeigt der Angelsportverein Neustadt das inzwischen weit mehr dazu gehört!
Artenschutz und den somit verbundenen Erhalt von wertvollen Lebensräumen auch „oberhalb“ der Wasserlinie stellen ebenfalls wichtige und notwendige Herausforderungen und Aufgaben dar!
In diesem Erstbericht zunächst ein herausragendes positives Paradebeispiel wie man produktive Freizeitfischerei und reinen Artenschutz miteinander sinnvoll verbinden kann.

Beispiel: Erstes neuzeitlich nachgewiesenes Bibervorkommen an der Leine bei Neustadt!

Im Herbst 2008 erhielt ich einen Anruf mit dem Hinweis, es gäbe deutliche Spuren in Form von Nagestellen an Bäumen verursacht möglicherweise durch einen Biber mit der Bitte um entsprechende Prüfung und Klärung. Daraufhin ergab eine Erstbesichtigung mit den verantwortlichen Personen des Angelsportvereins Neustadt bestehend aus den Herren Erich und Holger Machulla und Herrn Walter Jahnz als Betreuer des Geländes (Biberrevier), sowie den Herren der Region Hannover, meiner Person Edgar Schippan als Naturschutzbeauftragter und dem Biberexperten Jörg Schneider, eindeutig und zur Freude aller Beteiligten: ja, ein Biber ist tatsächlich anwesend und die sogleich an einer Nagestelle vermessene Zahnbreite von ca. 7mm Bissspur an einer Espe ließ sogar auf ein relativ junges Tier schließen.
Danach wurde sofort gemeinsam ohne bürokratischen Aufwand eine entsprechende Schutzstrategie für das europaweit hochrangig schutzwürdige Tier erarbeitet. Eine weiträumige Isolierung des Geländes erfolgte innerhalb kürzester Zeit, indem z.B. Wege gesperrt und entsprechend Schilder aufgestellt wurden. Die Öffentlichkeit wurde über die Presse informiert und es bestand zunächst die große Sorge vor sogenanntem „Bibertourismus“ mit nachfolgend schwerwiegenden Störungen.
Frau Pott-Dörfer vom Umweltministerium Niedersachsen, verantwortlich für die Großsäuger im Lande, dazu gehören z.B. auch Wolf, Luchs und Fischotter, bat mich um die Betreuung und Prüfung in Einbeziehung des Angelsportvereins, um zu erkennen, ob es sich erstens nur um einen einzelnen Biber handelt und zweitens artenspezifischer Details, die z.B. auf die Herkunft des Tieres schließen lassen. Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Biber aus dem Elberaum bzw. aus dem Bereich der Ems handelt, wo sich die nächsten relativ stabilen Biberpopulationen befinden.
Die Feuchtgebiete des Drömlings nordöstlich von Wolfsburg mit der nahen Verbindung zur Aller und somit letztendlich auch einem Übergang zur Leine könnten der ausschlaggebende Trittstein für die Wanderroute des Bibers bis hinein in unser Einzugsgebiet gewesen sein?!
Die hiesigen Gewässer des Angelsportvereins Neustadt, insbesondere die Leine mit ihren unmittelbar angrenzenden Nebengewässern, die teilweise auch noch einen hervorragenden Auencharakter haben, stellen ein sehr gutes Revier für den Biber dar, mit ausreichenden Nahrungs-und Versteckmöglichkeiten, immer vorausgesetzt der aktuelle Zustand des Lebensraumes bleibt erhalten und wird vor Störungen geschützt!
Die Behördenvertreter zeigten sich allesamt positiv überrascht, wie sehr sich in erster Linie die Mitglieder und Verantwortlichen des Angelsportvereins Neustadt mit dieser für uns alle fast sensationellen Situation identifizieren und unbürokratisch für den Schutz des Bibers einstehen!
Dank an dieser Stelle deshalb wiederholt an alle Beteiligten mit der Bitte sich weiterhin für das Wohl „Meister Bockerts“ einzusetzen, verbunden mit der Aufforderung, unwissende und unbelehrbare Mitbürger sachlich, freundlich, aber wenn nötig auch bestimmt auf die absolute Schutzwürdigkeit des Bibers hinzuweisen und die Ruhezonen zu respektieren, da der Biber als sogenannte Europaart zu diesem Schutzzweck verpflichtet!
Sehr lobenswert, dass der Angelsportverein inzwischen Teile des Biberrevieres für die Fischerei ganz gesperrt sowie zusätzlich ein Nachtangelverbot ausgesprochen hat!
Mögliche Veränderungen der Umgebung des Lebensraumes, verursacht durch den Biber, sollten wir unbedingt tolerieren bzw. in Abstimmung mit den betroffenen Beteiligten und Verantwortlichen, schnellstens eine unbürokratische „biberfreundliche“ Lösung finden, was bisher ja auch schon eindrucksvoll gelungen ist!
Als Dank wird uns „unser“ Biber hoffentlich noch lange erfreuen, auch wenn er als dämmerungs-und nachtaktives Tier kaum zu sehen sein wird. Und wenn dann eines Tages auch noch ein Geschlechtspartner dazu kommen sollte, ist dies wie bereits mehrfach beschrieben in erster Linie ein Erfolg des Angelsportvereins Neustadt, der eben nicht nur das verkörpert was viele immer noch unwissentlich vermuten und unterstellen, nämlich ausschließlich „magenfüllenden“ und jagdleidenschaftlichen Aktivitäten nachzugehen!
Auf den Lorbeeren ausruhen sollten wir uns aber alle nicht……..!

Edgar Schippan (Naturschutzbeauftragter Region Hannover)

 


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